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Die Bundeswehr und die Pershing-Raketen – Nukleare Teilhabe im Kalten Krieg
Nach der Wiederbewaffnung Westdeutschlands stellte sich auch die Frage nach dem Zugang der Bundeswehr zu Atomwaffen. Trotz politischer Kontroversen wurde die junge Bundeswehr im Rahmen der nuklearen Teilhabe der NATO in die Zielplanung und den möglichen Einsatz von Atomwaffen einbezogen.
Ein entscheidender Faktor dabei war die Stationierung des Flugkörpersystems Pershing in Deutschland. Ab 1963 stationierte das US-Heer die neu entwickelte Waffe, benannt nach einem General des Ersten Weltkriegs. Neben drei US-Heeresbataillonen stellte auch die deutsche Luftwaffe zwischen 1963 und 1965 zwei Flugkörpergeschwader auf, die ebenfalls mit der Pershing-Rakete ausgestattet wurden. Dennoch blieben die nuklearen Gefechtsköpfe unter US-Kontrolle.
Die deutschen Flugkörpergeschwader und die Pershing-Raketen
Das Flugkörpergeschwader 1 (FKG 1) mit dem zugeordneten 74th United States Army Field Artillery Detachment (74th USAFAD) und das Flugkörpergeschwader 2 (FKG 2) mit dem 85th United States Army Field Artillery Detachment (85th USAFAD) waren zunächst mit der Pershing 1 (auf Kettenfahrzeugen) ausgerüstet. Ab 1971 folgte die Modernisierung auf Pershing 1A (auf Radfahrzeugen).
Während die US-Einheiten ab 1983 die Pershing 2 im Zuge der NATO-Nachrüstung erhielten, wurden die deutschen Flugkörpergeschwader nicht mehr aufgerüstet. Mit dem INF-Vertrag (Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty) von 1988 begann die schrittweise Abrüstung. Bis 1991 wurden sowohl die deutschen als auch amerikanischen Pershing-Raketen abgebaut und die beiden Flugkörpergeschwader aufgelöst.
Einsatzverfahren, Geheimhaltung und historische Einblicke
Trotz strengster Geheimhaltung bestand das Personal der deutschen Pershing-Geschwader überwiegend aus Wehrpflichtigen, die regelmäßig ausgetauscht wurden.
Der Autor, selbst einst Wehrdienstleistender im Flugkörpergeschwader 2 in Geilenkirchen, hat über Jahre hinweg zeitgenössische Dokumente gesammelt und ausgewertet. Mit Unterstützung der Traditionsgemeinschaften beider Flugkörpergeschwader wurden nun erstmals deklarierte Geheimdokumente, private Archive von US- und Bundeswehr-Veteranen sowie unveröffentlichte Bilder zusammengeführt.
Neue Erkenntnisse über die Pershing-Raketen 30 Jahre nach ihrer Auflösung
Durch diese umfassende Recherche gelingt es erstmals, die historischen Zusammenhänge der Pershing-Raketen in Deutschland detailliert darzustellen. Besonders das Einsatzverfahren der nuklearen Sofortbereitschaft wird verständlich erklärt – ein bislang wenig bekanntes Kapitel der deutschen Militärgeschichte im Kalten Krieg.

